Wenn Bachwasser nicht in den Bach darf
Kuriosum nach der Überflutung: Naturbad Waldseebad wird in die Kanalisation entleert
Von Thomas Senger
Gaggenau - Was macht man mit Bachwasser, das aufgestaut wurde? Man lässt es in den Bach zurück. Was macht man mit Wasser aus dem Naturbad Waldseebad, wenn man das Becken entleeren will? Man lässt es mit behördlicher Erlaubnis in den Traischbach. Aber was macht man mit Traischbachwasser, das sich beim Unwetter am 12. Juni mit dem Waldseebadwasser vermischte und das Becken zum Überlaufen brachte? Man muss es in die Kanalisation einleiten.
Bild: Eine Woche Zeit hatte der Schlamm, um sich abzusetzen. Mühsam wird er in Kübeln fortgeschafft. Foto: Berthold Leier
Denn für das Einleiten dieses Wassers in den Bach gibt es keine wasserrechtliche Erlaubnis, bestätigt Manfred Flittner. Er ist Leiter des Umweltamts im Landratsamt. Bachwasser zusammen mit Naturbadwasser - es könnte kontaminiert sein, so die Erklärung. Mit was auch immer - untersucht wurde das bislang nicht. Und so war gestern Morgen - über eine Woche nach dem Unwetter - erst das Nichtschwimmerbecken trocken. An Wiederbefüllen, geschweige denn Wiedereröffnung, brauchte man nicht zu denken. Ablassen dauert eben länger als das Abpumpen. "Wir haben unnötig Zeit verloren", klagt Sabine Arnold, die Vorsitzende des Freundeskreises Waldseebad. Mit einigen Helfern hat der Freundeskreis am Samstag angefangen den Schlamm zu entfernen, der eine ganze Woche Zeit hatte sich abzusetzen: In Kübel schaufeln, Kübel zum Container karren, ausleeren. Eine quälend mühselige, langwierige Schufterei. So kann es nicht weitergehen, waren sich die Helfer einig. Und: "Wir hätten schon Mitte der Woche anfangen können mit Reinigen - wenn man gleich abgepumpt hätte." Auch das Reinigen wäre nicht so mühselig - weil der feine Schlamm sich nicht hätte absetzen können.
Mittlerweile wird das Wasser in die Kanalisation gepumpt und nicht nur über den Auslauf abgelassen. "Aber das schlammige Wasser darf nicht in den Traischbach", sagt auch Bürgermeister Michael Pfeiffer. Denn es könne sauerstoffarm sein und somit die Kleinlebewesen beeinträchtigen. Man habe keinen entscheidenden Zeitverlust zu beklagen, nur weil bislang nicht abgepumpt wurde, versichert Pfeiffer. Beim Unwetter wurden die Pumpen überflutet, sie sind defekt. Ein Gutachter werde sich diese Woche ein Bild von der Lage machen und Proben nehmen.
Der Freundeskreis will nun täglich ab 17 Uhr im Bad schaffen. Ziel sei, Ende der Woche frisches Leitungswasser einlassen zu können. Doch frühestens Mitte August werde das Bad öffnen. Zunächst muss sich die Biologie sechs Wochen lang neu ausbilden. Das Badewasser wird ohne Chemie aufbereitet. Dies übernehmen Mikroorganismen und Wasserpflanzen.
www.badisches-tagblatt.de