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Start News Saison 2010 2010-11-11 BT

2010-11-11 BT

Harke und Pickel statt Badematte und Liege

Freundeskreis Waldseebad befreit Sickerteich von Unkraut / Freiwillige trotzen dem Regen

Badisches Tagblatt vom: 11.11.2010 von Moritz Hirn

Gaggenau - Es war wahrlich kein Badewetter gestern im Waldseebad. Klamme Kälte und stetiger Nieselregen bildeten ein ungemütliches Duo. Dennoch herrschte rege Betriebsamkeit im größten Naturbad Süddeutschlands. Der Verein Freundeskreis Waldseebad hatte zu einem Arbeitseinsatz am Sickerteich hinter dem Seerosenteich aufgerufen. Unterstützt wurden die freiwilligen Helfer von einer Fachfirma. Zeit für ein Bad blieb keine, nass wurden die Arbeiter dennoch.

BT11112010-2 Foto BT:· Gute Trieb, böse Trieb: Nicole Calnan mit einer Planze in der Rechten. Sie darf bleiben, die große Wurzel muss raus

"Innerlich bin ich trocken", scherzt Nicole Calnan, Vorsitzende des Freundeskreises. Das äußerliche Erscheinungsbild spricht eine andere Sprache. "Seit halb acht bin ich am Arbeiten", sagt sie; dementsprechend durchnässt ist ihre Kleidung. Seit dem frühen Morgen befreien sie und ein knappes Dutzend weitere Freiwillige den Sickerteich - eines der drei Reinigungsbecken des Bades - von Unkraut. Hauptsächlich Schilf und junge Erlen aus dem nahen Wald hatten sich breit gemacht und müssen weg. "Es ist gar nicht so leicht zu entscheiden, welche Pflanzen entfernt werden müssen und welche nicht. Man muss die Nutzpflanzen, die für eine Klärwirkung sorgen, von anderen unterscheiden", erklärt Calnan.

Auch Sven Hecht ist gekommen. Der Bademeister müsste eigentlich im Murgana-Bad seinen Dienst verrichten, auf Grund des Arbeitseinsatzes rupft er statt dessen Schilf aus dem Kiesboden und präsentiert eine besonders dicke Wurzel: "Die sind das größte Problem. Manche Schilfwurzeln werden so spitz und hart, dass sie sogar durch Beton wachsen." Im Waldseebad sind die Triebe eine Gefahr für die Drainagen, vor allem für die Folien am Grund der Becken. Bereits im Frühjahr wurde fleißig Unkraut gezupft und wurden Pflanzen entfernt, die nicht zur Reinigung des Wassers beitragen. Ziel der Arbeiten ist es laut Calnan, "das Bad wieder in den Nullzustand zu versetzen. So, wie es bei der Eröffnung 2006 war.

Die Stadt hatte den Aufwand unterschätzt

BT11112010-1 Foto BT: Erst mit vereinten Kräften schaffen es Rosi Benkler, Sybilla Müller sowie Brigitte und Guter Zaltenbach (von links), eine besonders hartnäckige Erlenwurzel aus dem Boden zu reißen.

Ihre Stellvertreterin Sabine Arnold fügt hinzu: "Die Stadt hat einfach unterschätzt, wie pflegeintensiv ein Naturbad ist. Aus Personalmangel sind dann im Lauf der Jahre einige Arbeiten liegen geblieben." Deshalb hat der Freundeskreis nun selbst Harke, Mistgabel und Heckenschere in die Hand genommen. Gerne hätten es ein paar Helfer mehr sein dürfen, hofft Arnold auf das nächste Jahr: "Ungefähr im März werden wir wieder hier sein."

"Ich brauche mal schnell zwei starke Männer", tönt eine Stimme aus dem Schilf. Sie gehört Brigitte Zaltenbach, die versucht, eine besonders widerspenstige Erlenwurzel aus dem Boden zu reißen. Prompt kommen ihr Mann Gunter und Bademeister Hecht zur Hilfe. Mit vereinten Kräften entwurzeln sie den Baum. Unterstützt wird der Trupp aus Freiwilligen von zwei Landschaftsgärtnern der Firma Grün-System-Bau, die auch ansonsten für die Grünarbeiten zuständig ist. Sascha Walther wagt sich trotz Kälte knietief ins Wasser. Kollege Victor Styrbu frotzelt vom sicheren Ufer aus: "Von oben wird er nass, unten steht er im kalten Wasser. Ich könnte mir etwas Angenehmeres vorstellen." · · ·· www.badisches-tagblatt.de

 

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