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Start News Saison 2013 2013-11-30 BT

2013-11-30 BT

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Eine traurige Lachnummer

Das, was Gutachter Hardy Gutmann am Montag im Gemeinderat zur Sanierung des Gaggenauer Naturbads vorgeschlagen hat, es lässt nur einen Schluss zu: Die Geschichte des Waldseebads in den vergangenen zehn Jahren, sie droht zur Groteske zu werden. Vier Millionen Euro würde die Ertüchtigung des Naturbads in seiner jetzigen Form kosten. Billiger, nach derzeitigem Stand für rund 2,3 Millionen, wäre sie zu haben, wenn man die Sickerteiche in das jetzige Badebecken verlagerte. Treppenwitz am Rande: Für die Sickerteiche, in ihnen soll das Badewasser biologisch gereinigt werden, wurden einmal Parkplätze geopfert. Neue wurden angelegt; Kosten von 145.000 Euro allein dafür standen damals 2006 im Raum. Wenn es so kommt, wie vorgeschlagen, dann war auch diese Summe in den Sand gesetzt, so wie es offensichtlich die Millionen für den Bau des Naturbads an sich bislang waren. Das ist nicht Gutmanns Schuld und gewiss nicht sein Problem. Aber würde sein Vorschlag realisiert, dann würde die Wasserfläche weiter reduziert. Das einst so schöne, große, stolze Waldseebad "mit jetzt noch immerhin 4.440 Quadratmetern Badefläche, es hätte dann noch zirka 2.500 Quadratmeter — ein Badetümpel. Gutmann meint: Das sei für 30.000 bis 40.000 Gäste im Jahr ausreichend. Zahlenspielereien.

Es war doch schon immer so — früher: Das Waldseebad wurde geliebt. Wegen seiner Lage, wegen seines gepflegten Erscheinungsbilds, wegen der großen Freiflächen, wegen seines Beckenbodens aus Natursteinen und — gewiss nicht zuletzt — wegen seiner herrlich großen, klaren Wasserfläche. Wer sich wie Sardinen in der Büchse tummeln wollte, der war hier fehl am Platz. Der Gaggenauer aber — und nicht nur der —, der schwimmen wollte und auch bei großem Andrang großzügigen Freiraum genießen, der ging in sein Waldseebad. Rund 2,3 Millionen Euro kalkuliert der Gutachter für seine Sanierungsvorschläge — derzeit. Damit ist man in der Größenordnung, die der Umbau zum Naturbad bereits gekostet hat. Nicht nur der Beckenboden ist desolat, auch die „Grotte" sei in einem schlechten Zustand. Wie konnte es eigentlich dazu kommen? Eines scheint gewiss: Stadtverwaltung und Gemeinderat haben sich zu Beginn des neuen Jahrtausends mit vollmundigen Versprechungen gutgläubig einseifen lassen. Alles sollte besser werden und langfristig weniger Unterhalt kosten. Das Gegenteil ist eingetreten. Die Geschichte des Naturbads, sie droht zur millionenschweren Lachnummer zu werden. Und was viel schlimmer ist: Die Geschichte des Waldseebads — sie droht zu Ende zu gehen. Dazu darf es nicht kommen. Deshalb ist überlegtes Handeln notwendig. Die Stadt ist gut beraten, weiteres Fachwissen hinzuzuziehen. Thomas Senger

 www.badisches-tagblatt.de

 

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