Viel Arbeit für den Gutachter
Freunde des Naturbads hoffen auf neue Ergebnisse / Planer Grafinger in der Kritik
Von Thomas Senger
Gaggenau - Seit rund zwei Monaten ist die Freibadsaison zu Ende. Der Rummel ist vorbei, nun kann die Bilanzierung voranschreiten, nicht zuletzt die Analyse von Anspruch und Wirklichkeit. So auch im Naturbad Waldseebad. Bekanntlich wurde ein Gutachter beauftragt, sich mit möglichen Planungsmängeln auseinanderzusetzen. Immer wieder in der Diskussion: Die Algen im Wasser. Doch zu hören ist nichts in Sachen Gutachten. Still ruht der See?
Rückblende: Im April dieses Jahres meldete das BT, dass der Planer des Naturbads Waldseebad, Rainer Grafinger, einer Aufforderung der Stadtverwaltung nachkommt und auf eine Einrede der Verjährung bis zum 30. Dezember 2012 verzichtet. Das bedeutet, dass er unter Umständen über die Gewährleistungsfrist hinaus für mögliche Fehler einstehen könnte. Die Gewährleistungsfrist für das 2006 neu eröffnete Naturbad lief bekanntlich im Juli 2011 aus.
Spät, nach Ansicht von Beobachtern viel zu spät, war die Stadtverwaltung dem Drängen ehemaliger Waldseebadfreunde nachgekommen, die Arbeit des Naturbadplaners unter die Lupe zu nehmen. Der Gutachter habe die Arbeit in der Tat aufgenommen, hieß es gestern aus dem Gaggenauer Rathaus. Krankheitsbedingt habe es Verzögerungen gegeben. Wann Ergebnisse vorliegen, könne derzeit nicht gesagt werden.
Zur Diskussion stehen mehrere Punkte, unter anderem:
-
Der sandig-kiesige Untergrund des Beckens sei nicht ausreichend verfestigt. Deshalb gebe es immer wieder Wellungen der Beckenfolie, da der Grundwasserspiegel über dem Folienhorizont verlaufe. Falten und Wellen in der Folie erschweren aber die Reinigung des Beckenbodens. Folge: Unzureichende Entfernung von Algen.
-
Die Aufbereitungsbecken seien geringer bemessen als notwendig. Folge: Die Reinigungsleistung ist nicht optimal.
-
Die Phosphatfilter seien zu gering dimensioniert und nicht optimal an den Hauptkreislauf der Reinigungsbecken angeschlossen.
Grafinger-Projekt im Osten vor dem Abriss
Der Gutachter ist also bei der Arbeit. Den Freunden des Naturbads bleibt im Moment nur die Erinnerung an eine schöne Freibadsaison und die Hoffnung, dass sich bestimmte Mängel bis zur neuen Saison 2012 beheben lassen.
Vielleicht kennt man in der Stadtverwaltung ja auch einen Artikel der Sächsischen Zeitung. Interessant ist er sicher für jene Gemeinderatsmitglieder in Gaggenau, die sich vor einigen Jahren für die Einrichtung eines Naturbads ausgesprochen haben. „Naturerlebnisbad am Ende" titelte die Sächsische Zeitung (SZ) am 18. Februar 2011: „Seit 2003 streitet die Stadt Großenhain mit dem Planer des Naturbades vor Gericht. Bisher ohne Ergebnis. Es ist der größte Großenhainer Flop nach der Wende ( ... ). Das Naturerlebnisbad wird irgendwann ab 2013 abgerissen. Stattdessen bekommt Großenhain ein übliches Chlorbad."
So weit muss es in Gaggenau nicht kommen. Auch wenn der Planer in Großenhain der selbe ist wie der in Gaggenau: Rainer Grafinger. Lesen wir weiter die SZ: „Die Gutachten gehen hin und her — Ausgang ungewiss. Untersucht werden kann der Wasserkreislauf natürlich immer nur während der Badesaison — die Gutachter sind über die Jahre schon Stammgäste im Bad geworden. Wie lange das noch dauern wird, dazu wagt auch Oberbürgermeister Burkhard Müller keine Prognose."
Nun hat sich das Gaggenauer Naturbad in der Publikumsgunst etabliert — das spüren auch die Aktiven des Freundeskreises Waldseebad, die sich ehrenamtlich nicht zuletzt in der Pflege der Anlage einbringen und die Stadt unterstützen.
Nun ist es gewiss nicht so, dass Rainer Grafinger das Waldseebad verschämt verschweigen würde. „Als schlagendes Argument zählte die zukünftige Betriebskostenabrechnung. Immerhin können mit dem biologisch gereinigten Bad jährlich 30.000 Euro eingespart werden", rechnet er stolz auf seiner Homepage vor. Wer einmal nur in den Sickerteichen des Waldseebads mühsam buckelnd die mannshohen Schilfpflanzen mit den Händen herausgerupft hat, der muss solche vollmundigen Eigenlobhymnen allerdings als blanken Hohn empfinden. Wenn ehrenamtliche Helfer für den Schwimmbadbetreiber — die Stadt — in die Bresche springen und ihr die Arbeit abnehmen, kann diese leicht Geld sparen.
Ganz bestimmt keine Emotionalität, sondern strenge Wissenschaftlichkeit darf man der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau unterstellen. Sie hat bereits 2008 ein Gutachten verfasst: Fachwissenschaftliche Begleitung des Modellprojektes „Umbau von konventionellen Freibädern in ein Naturbad" heißt dieses. Untersucht wurden drei Bäder, zwei davon aus der Planung von — Rainer Grafinger.
Das 100-seitige Gutachten darf sowohl Stadtverwaltung als auch Gemeinderäten ans Herz gelegt werden. Als kleinen Vorgeschmack soll aus der Zusammenfassung zitiert werden:
„Die in öffentlichen Schwimm- und Badeteichen in Bayern eingesetzten Substrate und Phosphatadsorber sind nicht in der Lage größere Mengen Phosphat (Eintrag über eventuell belastetes Füllwasser, Umland und Badende) aus dem abgebadeten Badewasser zu adsorbieren beziehungsweise zu entziehen. Dies führt zwangsläufig je nach Höhe der Belastung des Badewassers mit Phosphat zu mehr oder minder starkem Algenwachstum in den Schwimmteichanlagen. Aufkommender Algenbesatz muss somit weiterhin mit erhöhtem Wartungs- und Pflegeeinsatz aus der gesamten Schwimmteichanlage regelmäßig entfernt werden."





